Neue App für Diabetiker

Von Hannes Huttinger | Frankenpost Verlag | 10. Juni 2015


Das Oberkotzauer Unternehmen IME-DC schließt eine Technologie-Partnerschaft mit dem Weltkonzern Samsung. Eine gute Nachricht für Zuckerkranke in aller Welt.

Technologiepartnerschaft IME-DC und Samsung SDS

Ab sofort Technologie-Partner: (von links) Serif Kamalak (Geschäftsführer IME-DC), Tae-Won Song (Europa-Chef von Samsung SDS) und Jürgen Friedrich (stellvertretender Geschäftsführer von IME-DC). Foto: Phillip Wolf

Hof/Oberkotzau  Nur 20 Minuten. Mehr nicht. Serif Kamalak und Jürgen Friedrich hatten wenig Zeit. Wenig Zeit, um einen Mann von hohem Rang zu überzeugen. Tae-Won Song, Europa-Chef des koreanischen Weltkonzerns Samsung SDS, daß in der Nähe von Frankfurt an einem Konferenztisch, um sich eine Idee der beiden IME-DC Geschäftsführer anzuhören. Das Resultat: "Am Ende brauchten wir nur 10 Minuten."

Die Augen von Jürgen Friedrich strahlen, wenn er heute von der neuartigen Idee erzählt. "Es handelt sich um eine App", sagt der stellvertretende Geschäftsführer von IME-DC. "iDia move" heißt sie. Und Tae-Won Song war begeistert. "Er wollte sofort weitere Gespräche einleiten. In diesem Moment war uns klar, dass es mit einer Zusammenarbeit etwas werden kann." Die Technologiepartnerschafts-Urkunde liegt in Friedrichs Büro. Stolz präsentiert er sie.

"Das hätte kaum jemand für möglich gehalten."

Jürgen Friedrich, stellvertretender Geschäftsführer IME-DC

Das kleine Oberkotzauer Unternehmen, das Blutzucker-Messgeräte und Zubehör herstellt, auf der einen Seite. Auf der anderen: Der riesige Weltkonzern aus dem fernen Asien. "Wobei wir uns nicht kleiner machen sollten, als wir sind", betont Friedrich. Immerhin sie auch IME-DC über die Landesgrenzen hinaus aktiv – zum Beispiel in der Türkei, Russland oder Saudi-Arabien.

Die App des Oberkotzauer Betriebs, der seinen Sitz nun in der Fuhrmannstraße in Hof hat, wird Diabetikern das Leben in Zukunft erheblich erleichtern. Friedrich zieht ein Büchlein aus einem kleinen Karton. "In dieses Tagebuch muss ein Diabetiker vier mal täglich seine Werte eintragen", sagt er. Das sei lästig – und für den Arzt nicht immer angenehm. "Irgendwann stinkt das Büchlien nach Insulin, ein paar Blutspritzer sind vielleicht auch drauf. Und wenn der Arzt Pech hat, ist die Schrift auch noch unleserlich."

Das alles soll ein Ende haben. Die Lösung liegt in einem sogenannten NFC Chip (siehe Infokasten am Ende). Die Messgeräte von IME-DC sind damit ausgestattet, ebenso die etwas neueren Handys. Friedrich beginnt mit der Vorführung: Er misst einen Blutzucker-Wert und legt das Messgerät auf das Handy. Das Gerät gibt ein kurzes akustisches Signal von sich – und der Wert ist auf dem Handy zu erkennen.

Friedrich geht es nicht nur um die bloße Anzeige des Werts. Er geht weiter durch das Menü dieser App, zeigt eine Grafik. "Hier kann ich grafisch aufbereitet sehen, wie sich mein Wert verändert. Wann er besonders hoch ist, wann er besonders niedrig ist." Der stellvertretende Geschäftsführer zeigt ein Balkendiagramm, ein Säulendiagramm, ein Kuchendiagramm.

Dann aber kommt Friedrich zu einem ganz besonderem Bestandteil. Zu einem Bestandteil, der im extremsten Fall sogar Leben retten könnte. Er spricht von sogenannten "Followern". Personen, die die Blutzucker-Werte eines Diabetikers über die App verfolgen können. "Eltern, Freunde, Geschwister und Ärzte sind damit auf dem neuesten Stand", sagt Friedrich. Vor allen in Ländern, wo Wege zu einem Arzt sehr weit sind, könnte das hilfreich sein. Der Arzt kann die Werte nämlich auch über ein Internet-Portal abrufen. "Wenn er das grafisch aufbereitet sieht, weiß er auch schneller, wo genau beim Patienten die Probleme liegen."

Auch eine Notfallkarte ist in der App integriert. So können auch Rettungsdienste im Notfall via NFC erfahren, welche Blutgruppe der Betroffene hat und welche Insulin-Menge er benötigt.

Die Entwicklung der App an sich treibt Jürgen Friedrich bereits ein breites Lächeln ins Gesicht. Dieses Lächeln wird aber aber noch breiter, wenn er anfängt, über das Team hinter der App zu sprechen. "Die Programmierer, die Designer, unser Messestand-Konstrukteur – alle kommen aus der Region", sagt der stellvertretende Geschäftsführer. Auch er selbst, und Serif Kamalak seien aus Hof. "Man muss den Blick oft gar nicht weit schweifen lassen. Wir haben hier richtig fähige Leute bei uns in der Region."

Frische Hofer Ideen haben IME-DC bereits weit gebracht. Aber wie profitieren das Oberkotzauer Unternehmen und auch der Weltkonzern Samsung von der Technologie-Partnerschaft? Der Firma IME-DC kommt das Hochsicherheits-Konzept des koreanischen Partners zugute. Er ermöglicht – wie es in einem Schreiben heißt – einen sicheren, hochverfügbaren und schnellen Austausch von Daten und Anwendungen von IME-DC Blutzuckermessgeräten auf mobile Endgeräte." Im Gegenzug erkennt der Weltkonzern aus Asien die Gelegenheit, das von IME-DC präsentierte Verfahren im Gesundheitswesen auszuweiten.

Im Herbst wollen Serif Kamalak und Jürgen Friedrich aktiv mit der Vermarktung beginnen. Eines soll die App aber auch dann noch bleiben: Kostenlos.

Near Field Communication (NFC)


Die Nahfeld-Kommunikation (Near Field Communication, Abkürzung NFC) ist ein internationaler Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten per Funktechnik über kurze Strecken von wenigen Zentimetern. Die Datenübertragungsrate beträgt maximal 424 kBit/s. Bisher kommt NFC vor allen in Lösungen für bargeldlose Zahlungen kleinerer Beträge zum Einsatz. In Deutschland wird die Technik unter den Namen "girogo" zur Zahlung von Summen bis zu 20 Euro angeboten. Auch im Bahnverkehr wird NFC beispielsweise im System "Touch&Travel" eingesetzt. Außerdem nutzen viele Hochschulen NFC-Chips in Studentenausweisen zur Zahlung kleinerer Beträge.